Gott macht Neu
Gedanken zur Osterzeit
In alle Veränderungen hinein hören wir: Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu! Ein gewaltiger Satz. Eine Verheißung, die größer ist als alles, was wir denken, diskutieren, planen. Pfarrerin Susanne Zollinger über das Neu werden und Gottes radikale Wende an Ostern: Schau hin

Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu! (Offenbarung 21,5)
Beim ersten Blick auf die Jahreslosung war klar: Sie passt in unser kirchliches Leben. Wir stecken in vielen Veränderungsprozess. Ein Produkt davon: Die neue Homepage, auf der Sie sich gerade befinden. Zwei Kirchenbezirke sind auf dem Weg und fusionieren.
Das Leben verändert sich, manchmal rasant. Das kann auch Angst machen. Denn es gibt radikale Neuanfänge: Die Brücke zum Alten wird abgerissen. Veränderung kann aber auch sanft geschehen: Das Alte wird verwandelt in Neues. Manches bleibt bestehen, bekommt ein neues Gesicht, anderes hört auf, macht dadurch den Weg frei zu Neuem.
In alle Veränderungen hinein hören wir: Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu! Ein gewaltiger Satz. Eine Verheißung, die größer ist als alles, was wir denken, diskutieren, planen.
Beim ersten Lesen unserer Jahreslosung dachte ich an einen anderen Vers: Die Verheißung des Propheten Jesaja: Denn siehe, ich will ein Neues schaffen, jetzt wächst es auf, erkennt ihr’s denn nicht? (Jesaja 41,18)
Beide Verse – bei Jesaja und in der Offenbarung – verheißen: Gott macht neu! Jesaja verstehe ich sanfter: Wie eine Pflanze wächst da etwas auf, zart und langsam kommt die Veränderung. Gottes Werk beginnt oft klein, aber es trägt eine Kraft in sich. Die Offenbarung hingegen verstehe ich radikaler: Da ist ein Bruch, das Alte besteht nicht mehr, Gottes neue Welt kommt, in der kein Tod und Schmerz mehr sein wird.
Wir feiern Ostern. Die sichtbare Bestätigung dieses radikalen Wandels:
Die Frauen kommen zum Grab, um Abschied zu nehmen. Sie rechnen mit dem Tod.
Aber sie finden etwas anderes. Was sie hören, ist unglaublich: „Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten?“ Gott macht alles neu, und er beginnt im Grab: Was tot war, lebt. Was vergangen ist, wird neu. Die Auferstehung ist Gottes Handeln. Das Neue kommt aus seiner Liebe, die den Tod überwindet.
Die Frauen am Grab können das nicht gleich sehen. Viel zu sehr sind sie erschrocken über Gottes Handeln: Siehe, ich mache alles neu! Ja, sogar den Tod. Das ist für die Frauen im ersten Moment nicht denkbar. Ich denke an Jesaja: jetzt wächst es auf, erkennt ihr’s denn nicht?
Deshalb lädt Gott uns ein: „Siehe!“
Schau hin. Öffne deine Augen. Auch wenn du noch Tränen in den Augen hast:
Siehe – da ist Hoffnung, wo du keine mehr hatest.
Siehe - da ist Leben, wo du nur Leer spürst.
Gott spricht: „Siehe, ich mache alles neu! Nicht du. Du musst das nicht aus eigener Kraft schaffen – ich fang mit dir neu an.“ Was für eine Entlastung! Ein Geschenk der Kraft und Hoffnung. Ich darf mit Gott rechnen in meinem Leben. Er schenkt mir Leben, immer wieder neu. Also öffne ich die Augen, um es zu suchen und zu erkennen.
Pfarrerin Susanne Zollinger


