Mut, Dinge loszulassen und Neues auszuprobieren

Dekanin Christiane Glöckner-Lang bei Bezirkssynode eindeutig wiedergewählt 
 
 
 
  

Sichtlich gerührt zeigte sich die wiedergewählte Dekanin Christiane Glöckner-Lang nach der Bekanntgabe des Ergebnisses. Es hatten 90 der anwesenden 94 Synodalinnen und Synodale aus den noch getrennten Kirchenbezirken Kraichgau und Neckargemünd-Eberbach für die einzige Kandidatin votiert. Sie hatte ein klares Ergebnis angestrebt und hat dieses auch bekommen.
 
Die Wahlsynode begann mit einem Gottesdienst in der Stadtkirche. Musikalisch wirkten Ulrich Keller und Bernd Schütz an den Posaunen, Salome Hölzle an der Orgel und der Gospelchor unter der Leitung von Thomas Stenchly mit und brachten eine feierliche Stimmung in die Kirche. In ihrer Predigt ging Prälatin Heide Reinhard darauf ein, dass am vergangenen Freitag auch der internationale Nelson-Mandela-Tag begangen wurde. Er starb im Jahr 2013 vielgeliebt und bewundert für das, was er mit seinem Eintreten für die Versöhnung aller Bevölkerungsgruppen in Südafrika erreicht hat. Der Tag sei nicht nur ein Erinnerungstag an Mandela, sondern auch ein Tag, der mit dem Anstoß verbunden sei, an andere zu denken. Dazu passe auch der Wochenspruch: „Einer trage des anderen Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen.“ Alle sollten aufeinander achten, wobei sie die Dekaninnen und Dekane miteinschloss.
 
Für die krankheitsbedingt verhinderte Landesbischöfin Prof. Dr. Heike Springhart verlas Oberkirchenrat Martin Wollinsky die Begründung des Wahlvorschlags. „Für die Rolle und das Amt der Dekanin in diesen Zeiten halte ich es für wichtig, dass sie mit einem klaren Blick für die Stärke der Vielfalt gelebten Christentums in den verschiedenen kirchlichen Präsenzen steht, starke Gemeinden fördert, zu innovativen Aufbrüchen ermutigt und mit Mut, theologischer Kompetenz und visionärer Kraft den Prozess so leitet, dass alle Beteiligten gut miteinander auf dem Weg sind“ führte er aus.
 
Glöckner-Lang kenne beide Kirchenbezirke bereits gut und habe den Weg zur Vereinigung mit erarbeitet. Dies seien u.a. Gründe für den Vorschlag.
 
Dann trat die Dekanin selbst an das Rednerpult. Sie begann ihre Ausführungen mit einem eingeblendeten Bild von Caspar David Friedrich, das in ihrem neuen Arbeitszimmer hängt mit dem Titel „Der Mönch am Meer“. Ihr gefalle dabei die unglaubliche Weite und die Vorstellung, dass der Himmel eine Dimension ist, die uns von allen Seiten umgibt. Bilder und Visionen würden uns begleiten und leiten in dem, was wir tun. Sie gab einen kurzen Rückblick auf die vergangenen acht Jahre ihres Wirkens. Gestartet ist sie im Jahr 2017, dem Reformationsjubiläumsjahr. Die Kirche habe sich seither schon wieder verändert, wobei sie vor allem die Fusion der beiden Kirchenbezirke nannte. Den gemeinsamen Bezirk Neckar-Kraichgau werde es dann ab dem 01. Januar 2026 geben. Weiter nannte sie das Liegenschaftsprojekt, den Pfarrbildungsprozess und die zunehmende Digitalisierung in der Corona-Zeit. Nachdem die Dekanatsstelle im Bezirk Neckargemünd-Eberbach im Jahr 2023 nicht mehr besetzt werden konnte hat sich Glöckner-Lang bereiterklärt, als bezirksverbindende Dekanin zu fungieren, was schon viel Kraft gekostet habe, aber auch die Chance gab, neue Wege zu gehen.
Die Gemeinden seien jetzt gefordert, das eigene Profil im Kooperationsraum einzubringen. Sie erwähnte auch die Kooperationspartner in der Ökumene und die Zusammenarbeit von Kirche und Diakonie. Auch die Kirchenmusik sei für sie ein Feld, das nach außen wirke. „Hier sprechen wir Menschen an, die mit Kirche nicht viel am Hut haben, aber zu Konzerten gerne in unsere Kirchen kommen.“ Zukunft heiße, das Ehrenamt zu fördern und zu unterstützen und vor allem auch, mutig zu sein, Dinge loszulassen und Neues auszuprobieren. Hier nannte sie das am 20.06.2026 geplante große Trauevent, das im Auto- und Technikmuseum Sinsheim stattfinden soll. Sie führte aus, dass sie ihren Verkündigungsauftrag sehr ernst nehme und daher fast sonntäglich auf einer der Kanzeln im Neckar-Kraichgau stehe.
 
„Dieser Bezirk ist für mich Heimat – ich schätze die Menschen hier. Sie sind ehrlich, offen, pragmatisch und an manchen Stellen auch etwas rebellisch. Das finde ich sehr sympathisch und da finde ich mich auch wieder“ meinte sie. Ihr Dank galt den beiden Synodenvorsitzenden Thomas Kerksiek und Thomas Lehmkühler, ihren Stellvertretern Gero Albert und Emanuel Fritz sowie den Sekretärinnen Monika Decker und Marika Schmitt. Nicht unerwähnt ließ sie ihre Familie für all die Unterstützung und das Dabeisein.
 
Nach der eindeutigen Wiederwahl galt es dann noch, für den Bezirk Neckargemünd-Eberbach eine Stellvertreterin zu wählen. Petra Hasenkamp, seit 13 Jahren Pfarrerin in der Markusgemeinde Neckargemünd, kandidierte und stellte sich vor. Sie kenne die Dekanin schon fast über ihr gesamtes Berufsleben und habe Lust auf dieses Amt. Sie wolle in ihren letzten beiden Berufsjahren ihre ganze Kraft einbringen. Von den 29 anwesenden Synodalinnen und Synodalen des Bezirks Neckargemünd-Eberbach erhielt sie 27 Stimmen, also auch hier ein eindeutiges Votum. Für die Gewählten gab es im Anschluss noch kleine Geschenke. Der Abend klang mit einem Sektempfang und einem gemeinsamen Abendessen gemütlich aus. 
  
 
Von Rainer Ohlheiser