Warten ist schön

Es war mitten im November. Im Supermarkt stand ich an der Kasse, im Rücken die Getränkekisten und ein riesiger neuer Stand mit Christstollen, Lebkuchen und Schokoläusen. Als das Ehemann vor mir dran war, machte er seine Empörung kund: „Ihr macht mir meine ganze Stimmung kaputt. Ich will doch im nebligen November nicht schon an Weihnachten denken!“ Die Kassiererin stimmte ihm zu und entschuldigte sich damit, dass die Verkaufsstrategie von „ganz oben“ komme...

Vielleicht sollten „die ganz oben“ mal darüber nachdenken, was „der ganz da oben“ sich dabei dachte, als er die Jahreszeiten schuf und die Feste und die persönlichen Ereignisse, die dem Jahr einen schönen Rhythmus geben. Wie sollen wir das Besondere schätzen, wenn wir im Einerlei leben? Ich weiß noch, wie wir früher dem Sommer- oder dem Winterschlussverkauf mit ihren verlockenden Angeboten entgegenfieberten – doch diese Freude ist längst vorbei, denn keine Einkaufsstraße ohne dicke „Sale“-Schildern in den Schaufenstern, kein Tag ohne Rabatt-Angebote in den Medien, Black Friday und Cyber-Monday und so weiter...

Und wenn „die da oben“ nicht einsehen, dass unser Leben einen Rhythmus braucht, dann können wir das doch selbst: warten. Und dann feiern. Alles zu seiner Zeit.

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Schuldekan Gunnar Kuderer