Sorgen

Über das Sorgen

Sorge ich mich zu sehr um meine Kleidung?

Neulich habe ich im Erntedank-Gottesdienst Worte aus der Bibel gehört, die mich nachdenklich gestimmt haben. Jesus sagt in der Bergpredigt: „Und warum macht ihr euch Sorgen was ihr anzieht? Seht euch die Wiesenblumen an: Sie wachsen, ohne zu arbeiten und ohne sich Kleider zu machen. Ich sage euch: Nicht einmal Salomo in all seiner Herrlichkeit war so schön gekleidet wie eine von ihnen.“*

Der hat gut reden, denke ich mir auf dem Heimweg, und ehrlich gesagt, bin ich zunächst ein wenig verstimmt. Was wäre, wenn ich mich wirklich nicht um einen gefüllten Kühlschrank kümmere oder meine Kleidung nicht pflege? Soll ich vielleicht hungrig und ungepflegt umherlaufen, gar in abgerissener Kleidung?

Da fallen mir Menschen ein, mehr als mir lieb ist, die stehen vor ihren übervollen Kleiderschränken und jammern: „Ich habe nichts anzuziehen!“ Auf meine Worte, es sei doch genug da, sagen sie: „Aber nichts passt zu diesem Anlass!“ Oder ich denke an eine Familie, die den Primark gestürmt hat und nachher die Kleidungsstücke tütenweise auf den Esszimmertisch leert, um zu verteilen, wem was gehört. Kleidung, so billig, dass man sie nur ein einziges Mal zu tragen braucht.

Vielleicht meinte Jesus das: Weniger ist mehr. Wenn ich zu sehr im Überfluss lebe, dann erkenne ich den wahren Wert dessen nicht mehr, was ich besitze. Dann vergesse ich meine ehemals liebste Weste, weil ich sie gar nicht mehr finde in der Fülle.

Ja, das stimmt: weniger ist mehr.

* (Matthäus 6,28)

Schuldekan Gunar Kuderer