Heute sind viele, vielleicht die meisten Menschen, mit Perfektion und Selbstoptimierung beschäftigt. Je mehr man sich den Druck der Perfektion auferlegt, je mehr man sich stets selber optimieren möchte, desto mehr erhöht sich der „Dampfkessel“, der uns das Leben so schwer macht.
Es ist die Kunst im Leben, die rechte Balance zu finden zwischen Aktivität und Passivität, zwischen Arbeit und Ruhe, zwischen Perfektion und Flexibilität (auch fünfe mal grade sein zu lassen).
Im Gebet sind wir passiv. Wir verzichten vor Gott darauf, der Größte sein zu wollen. Wir wissen im Gebet, dass wir nicht unser eigener Selbstrechtfertiger sind. Im Gebet hören wir auf, uns selbst zu entschuldigen. Im Gebet können wir ganz wir sein – ohne Druck zur Perfektion, ohne Selbstrechtfertigung, ohne Schönfärberei. Im Gebet sind wir die, als die uns Gott ansieht: seine geliebten Menschen – Du bist seine geliebte Tochter, du bist sein geliebter Sohn. Das gibt Kraft und Mut, gelassen auch die schweren Fragen anzugehen und dabei zu wissen, wie im Februar die Sonne scheint, sie scheint länger, so umgibt uns Gottes Liebe.
Ein gutes Gebet ist der Psalm 139, der tröstend und realistisch endet:
„Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz; prüfe mich und erkenne wie ich’s meine. Und sieh, ob ich auf bösem Wege bin, und leite mich auf ewigem Wege.“
Dekan Hans Scheffel



