Sommer 2019

Der Sommer ist auf dem Vormarsch. Steigende Temperaturen machen Lust auf Badesee, Eisdiele und Grillabende. In der Schule und in vielen Betrieben beginnt bald der Endspurt. In Vereinen und Kirchengemeinden finden noch Sommerfeste und Abschlusstreffen statt, bevor es dann für einige Wochen in die Sommerpause geht. Im Juli schuften viele noch einmal bei heißen Temperaturen im Schweiße ihres Angesichts, um dann endlich die wohlverdiente Auszeit zu nehmen.

Was viele Menschen heute oft vergessen – Auszeiten sind eine jüdische Erfindung. Im Schöpfungsbericht ganz am Anfang des Altes Testaments heißt es: „Und so vollendete Gott am siebenten Tag seine Werke, die er machte, und ruhte am siebenten Tage von allen seinen Werken, die er gemacht hatte.“ (Genesis 2,2) Sogar Gott braucht eine Pause! Darum wurde auch der siebente Tag der Woche zum „Sabbat“ erklärt – zum Ruhetag für Mensch und Natur.

Das Christentum hat den Sonntag zum Ruhetag erklärt – der Sonntag als Tag der Auferstehung Christi. Hier beginnt noch einmal alles neu. Gleichzeitig wurde der Sonntag – auch das ist heute fast in Vergessenheit geraten – zum ersten Tag der Woche. Nur so ist der Mittwoch als vierter Tag auch wirklich die Mitte der Woche. Die Woche beginnt mit einem freien Tag. Zuerst wird uns eine Auszeit geschenkt, um Kraft zu tanken. Erst dann darf der kraftraubende Alltag beginnen.

Viele Zeitgenossen sehen es genau umgekehrt: Ich muss mich erst vollkommen verausgaben, um ein Anrecht auf eine Auszeit zu haben. Die Gefahr dabei ist, diesen Punkt, an dem eine Auszeit notwendig ist, zu verpassen, sich über die eigenen Kräfte zu verausgaben – und dann womöglich gar nicht mehr abschalten zu können, weil man verlernt hat, sich zu erholen.

Darum: Alles beginnt mit einer Auszeit. Alles beginnt mit dem Luftholen, mit Stärkung und Erholung. Die Woche beginnt mit einem geschenkten Tag und endet – zumindest für die meisten Berufe – mit einem freien Tag, dem Samstag. Es ist eine Frage der Perspektive: Arbeite ich, um zu leben, oder lebe ich, um zu arbeiten? Ohne die Auszeiten geht es nicht. Ohne die Pausen ist niemand in der Lage, seine Leistung zu bringen. In einer Gesellschaft, die immer längere Öffnungszeiten, immer größere Flexibilität, immer lückenlosere Erreichbarkeit von uns fordert, dürfen wir als Kirche nicht vergessen, an die Bedeutung der Auszeit zu erinnern und für sie einzutreten.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen auch im Endspurt vor den Sommerferien immer wieder kleine Auszeiten – bei einem Eiskaffee, im Freibad oder auch im sonntäglichen Gottesdienst!

Pfarrer Emanuel Fritz, Dekanin-Stellvertreter