Sehnsucht nach Erfüllung

Die Advents- und Weihnachtszeit ist auch die Zeit der Träume und Sehnsüchte. Kinder träumen von den verheißungsvollen, wunderbar bunten Paketen unter dem Christbaum. Erwachsene wünschen sich Harmonie und Familienidyll. Gerade an Weihnachten ist es besonders schmerzhaft, von seinen Lieben getrennt zu sein. An diesem Fest klafft die Lücke zwischen Ideal und Wirklichkeit unserer Vorstellungen vom Glück besonders schmerzhaft auseinander. Streit und Zerrissenheit werden an Weihnachten als unerträglich empfunden und deshalb möglichst unterdrückt oder übermalt.
 

Weihnachten hält die Sehnsucht wach. Nicht das alljährliche Fest mit den Geschenken, der Dekoration und dem Essen können diese Sehnsucht dauerhaft stillen. Vielleicht ist das auch mit ein Grund dafür, warum der Kirchenbesuch an Weihnachten für viele einfach noch dazu gehört. Die Advents- und Weihnachtszeit erinnert uns daran, dass es mehr gibt im Leben als das Streben nach materiellem Wohlstand. Möglicherweise ist es nicht zu viel gesagt, wenn man Weihnachten als eines der letzten offenen Fenster zum Himmel in einer ansonsten weitestgehend glaubensfernen Gesellschaft bezeichnet. Die Sehnsucht nach tiefer Erfüllung in der Welt, die Suche nach Gott als eigentlicher Sinn von Weihnachten ist trotz der vorherrschenden Kommerzialisierung dieses Festes noch immer lebendig – ob es den Menschen bewusst ist oder nicht.

Die adventliche Sehnsucht richtet sich darauf, dass mein Leben einen Sinn ergibt, dass mein Bedürfnis nach Liebe und Anerkennung erfüllt wird und dass die Welt nicht ein Produkt des Zufalls ist und einsam durch ein kaltes Universum treibt, sondern Gottes Schöpfung, die ihm so am Herzen liegt, dass er sich in der Person Jesu Christi für immer mit ihr verbunden hat.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen in dieser Advents- und Weihnachtszeit, dass Sie Zeit und Ruhe finden, um sich auf die Suche zu machen nach dem, der Ihrem Leben Sinn und Erfüllung schenkt.

Pfarrer Emanuel Fritz, Dekanstellvertreter