Oktober 2024

 

Meditation zur Jahreszeit

Völlig normal - Gedanken zu Erntedank


Ich bin ein lausiger Gärtner. Jedenfalls ist die Ausbeute meiner Tomatenpflanzungen jedes Jahr kläglich. Das ist ein Jammer, denn ich liebe Tomaten. Mit großem Elan gehe ich jedes Jahr ans Säen und Pikieren. Und wenn ich merke: Das wird wohl wieder nichts, dann ist es meistens schon zu spät.
Die Pflanzen wachsen und wachsen, aber immer noch keine Blüte in Sicht. Ich dünge. Zu wenig? Ich gieße. Zu viel? Vielleicht auch andersrum. Am Regen liegts nicht. Sie stehen überdacht.

Irgendwann gebe ich auf. Versuche mich an den wenigen Früchten zu freuen, die sich durchringen, auf meinem Balkon zu reifen. Das gelingt mir nicht jeden Tag.

Ein berühmter Maler hat Gott mal als großen Gärtner gemalt. Manchmal beschleicht mich die ketzerische Frage:
Ob Gott wohl auch so ein lausiger Gärtner ist? Müsste nicht mehr von dem Samen aufgehen, den er sät?

Jemand, der es wissen muss, hat gesagt, das Reich Gottes gleiche einem Bauern, der aussäe und nur ein Teil der Saat ginge auf. Das allermeiste nicht.
Was aber aufginge, das brächte vollen Ertrag. Und dass das so sei, sei völlig normal.

Wenn ich mir das zurückliegende Gartenjahr anschaue, dann bin auch ich nicht nur frustriert. Anders als die Tomaten, wuchsen Paprika und Salat und Basilikum gabs büscheweise.
Auch der Zitronenbaum kann seine Früchte kaum tragen. Je mehr ich mich umschaue, desto mehr fällt mir ein.

Auch wenn ich mir das vergangene Nichtgartenjahr anschaue: Manches wollte nicht gedeihen.
So sehr ich mich bemüht habe. Ich nehme es hin. So leid es mir tut. Ich verbuche das unter Altersweisheit.

Und dann sind da Bereiche über die ich mich uneingeschränkt freuen kann: Was ist da alles gewachsen.
Welche Blütenpracht und Fülle. So viele Gründe dankbar zu sein.

Jürgen Steinbach, Evangelische Kur-, Reha- und Klinikseelsorge Bad Rappenau 

juergen.steinbach@kbz.ekiba.de
http://www.seelenbad-rappenau.de
instagram: @seelenbad