Masken

 

In der Faschingszeit sind sie wieder unterwegs: Cowboys und Indianer, Engelchen und Teufelchen, Ritter und Prinzessinnen. 

Und nicht nur Kinder lieben es, Masken zu tragen und sich zu verkleiden. Auch die Erwachsenen stürzen sich ins Vergnügen. Die Faszination dabei ist, für kurze Zeit eine andere Rolle anzunehmen und mit der fremden Identität zu spielen. Das wird von vielen als Befreiung empfunden. Der Alltag ist den meisten Menschen zu trist und zu grau. Man möchte einmal Grenzen überschreiten, einmal ein anderer oder eine andere sein.  

Der Haken bei der Sache ist, dass irgendwann die Zeit kommt, in der man die Rolle wieder ablegen muss, um im gewohnten Trott weiterzuleben. Doch setzt man dabei nicht wieder eine Maske auf? Nur sieht sie diesmal anders aus. Man spielt den Selbstbewussten oder die Begabte. Man spielt die Seriöse oder den Coolen. Wie es wirklich in mir aussieht, weiß nur Gott.

„Herr, du erforschest mich und kennest mich. Ich sitze oder stehe auf, du weißt es. Du verstehst meine Gedanken von ferne“.  Die Worte des 139. Psalms machen uns bewusst: Vor Gott brauchen wir keine Masken. Gott kennt uns durch und durch.

Manchen Menschen macht das Angst. Sie stellen sich Gott vor als den strafenden Gott, der nach dem Ausschau hält, was wir falsch machen.

Doch der Beter des 139. Psalms sieht Gott anders. Er fühlt sich gar nicht beobachtet oder gar bedroht. Er fühlt sich geborgen in Gott. Befreit von allen Masken, Erwartungen und falschen Fassaden kann er ganz er selbst sein. Und dann den Satz aussprechen, der mich immer wieder berührt: „Ich danke dir dafür, dass ich so wunderbar gemacht bin“. Und zwar so wie ich bin. Einfach ich. Ein wunderbares Geschöpf Gottes.

Pfarrerin Glöckner-Lang