
La Romita Jesus Statue
Quelle: https://la-romita.org
Die Tage werden langsam wieder länger. Draußen in der Natur lässt sich der Frühling schon erahnen. Erste blühende Vorboten verkünden den Beginn einer neuen Jahreszeit. Höchste Zeit: Von vielen Menschen wird nach den kalten und dunklen Wochen das Ende des Winters geradezu herbeigesehnt. Endlich wieder mehr Sonnenlicht und Wärme, endlich wieder Spaziergänge im Grünen. Langsam durchbrechen die ersten Farbtupfer das Grau in Grau des Winters.
Natürlich hat der Einzelhandel längst die Osterware in die Regale eingeräumt. Das Kirchenjahr dagegen verlangt uns ein wenig mehr Geduld ab. Wir befinden uns mitten in der Passionszeit, den sieben Wochen vor Ostern, in denen wir an das Leiden und Sterben Jesu erinnert werden. Viele Menschen nutzen diese Zeit inzwischen wieder als Fastenzeit. Das kann viele Gründe haben, gesundheitliche oder spirituelle. Oder man verzichtet auf etwas, um dessen Wert wieder neu zu entdecken. Es hat einen tieferen Sinn, sich auf das Osterfest vorzubereiten, indem man liebgewonnene Gewohnheiten überdenkt und sich auf das Wesentliche konzentriert.
Kaum jemals habe ich Ostern so bewusst erlebt wie auf La Romita, einer Einsiedelei in Umbrien. Diese wurde von einem eigensinnigen Franziskanermönch in den neunziger Jahren mithilfe von Spenden und Freiwilligen aus Ruinen neu aufgebaut, nachdem sein Orden sie schon vor über 150 Jahren aufgeben hatte.
Pater Bernardino beherbergte dort immer wieder Gäste aus aller Welt, die dort einige Tage oder Wochen das einfache Leben in der Einsamkeit suchen. Ora et labora („bete und arbeite“), dieser mönchischen Regel folgt der Alltag dort – in sehr einfachen Verhältnissen ohne warmes Wasser, Zentralheizung oder Strom. Wer dort einige Zeit verbringt, hilft selbstverständlich bei der Gartenarbeit oder beim Versorgen der Ziegen. Für mich und einige Freunde war es damals eine intensive Erfahrung ohne allen Komfort. Zum Schlafen in unseren ziemlich zugigen Klosterzellen hüllten wir uns in möglichst viele Wolldecken, da es dort in den Bergen um Ostern noch ziemlich kalt werden kann. Tagsüber wurde uns beim Arbeiten warm. Geduscht wurde mit kaltem Quellwasser unter freiem Himmel. Das Essen dort habe ich als unglaublich gut in Erinnerung – einfach, aber lecker, italienische Küche eben, von Pater Bernadino persönlich zubereitet. Am Karsamstag vor Ostern wurde jedoch gefastet: Kein Essen, kein Reden, aber auch kein Arbeiten. Wir nutzten die Zeit für stille Spaziergänge durch die herrliche Landschaft. Gegen Nachmittag wurde es langsam mühsam. Das Hungergefühl ließ sich immer schwerer ignorieren, das Schweigen wurde zuweilen immer unheimlicher. Gleichzeitig wurden unsere Sinne schärfer, die Seele aufmerksamer, das Herz offener für Wahrnehmungen aller Art. Hungrig gingen wir ins Bett, die Nacht war kurz. Am Ostermorgen standen wir in aller Frühe auf, es war kalt und dunkel. Von der Osterliturgie verstanden wir nicht viel, aber die Botschaft traf mich tiefer ins Herz als jemals zuvor: Christus ist auferstanden. Gott hat den Tod besiegt und neues Leben hervorgebracht. Das Osterfrühstück nach dem Gottesdienst war wohl das einfachste meines Lebens. Aber auch ohne Lachs und Latte macchiato schmeckte es himmlisch. Die Erfahrung dieses Osterfestes trage ich bis heute im Herzen. Ein bisschen davon wird lebendig, wenn wir wieder am Ostermorgen in aller Frühe (und Kälte) auf dem Friedhof versammelt stehen und die Posaunen die Auferstehung des Herrn verkündigen. Anschließend ein einfaches Osterfrühstück mit einem Stück Hefezopf auf die Hand und heißem Kaffee zum Aufwärmen – mehr braucht es nicht.
Pater Bernardino beherbergte dort immer wieder Gäste aus aller Welt, die dort einige Tage oder Wochen das einfache Leben in der Einsamkeit suchen. Ora et labora („bete und arbeite“), dieser mönchischen Regel folgt der Alltag dort – in sehr einfachen Verhältnissen ohne warmes Wasser, Zentralheizung oder Strom. Wer dort einige Zeit verbringt, hilft selbstverständlich bei der Gartenarbeit oder beim Versorgen der Ziegen. Für mich und einige Freunde war es damals eine intensive Erfahrung ohne allen Komfort. Zum Schlafen in unseren ziemlich zugigen Klosterzellen hüllten wir uns in möglichst viele Wolldecken, da es dort in den Bergen um Ostern noch ziemlich kalt werden kann. Tagsüber wurde uns beim Arbeiten warm. Geduscht wurde mit kaltem Quellwasser unter freiem Himmel. Das Essen dort habe ich als unglaublich gut in Erinnerung – einfach, aber lecker, italienische Küche eben, von Pater Bernadino persönlich zubereitet. Am Karsamstag vor Ostern wurde jedoch gefastet: Kein Essen, kein Reden, aber auch kein Arbeiten. Wir nutzten die Zeit für stille Spaziergänge durch die herrliche Landschaft. Gegen Nachmittag wurde es langsam mühsam. Das Hungergefühl ließ sich immer schwerer ignorieren, das Schweigen wurde zuweilen immer unheimlicher. Gleichzeitig wurden unsere Sinne schärfer, die Seele aufmerksamer, das Herz offener für Wahrnehmungen aller Art. Hungrig gingen wir ins Bett, die Nacht war kurz. Am Ostermorgen standen wir in aller Frühe auf, es war kalt und dunkel. Von der Osterliturgie verstanden wir nicht viel, aber die Botschaft traf mich tiefer ins Herz als jemals zuvor: Christus ist auferstanden. Gott hat den Tod besiegt und neues Leben hervorgebracht. Das Osterfrühstück nach dem Gottesdienst war wohl das einfachste meines Lebens. Aber auch ohne Lachs und Latte macchiato schmeckte es himmlisch. Die Erfahrung dieses Osterfestes trage ich bis heute im Herzen. Ein bisschen davon wird lebendig, wenn wir wieder am Ostermorgen in aller Frühe (und Kälte) auf dem Friedhof versammelt stehen und die Posaunen die Auferstehung des Herrn verkündigen. Anschließend ein einfaches Osterfrühstück mit einem Stück Hefezopf auf die Hand und heißem Kaffee zum Aufwärmen – mehr braucht es nicht.
So staune ich immer wieder über die tiefe Lebensweisheit in der Gestaltung des Kirchenjahres: 40 Tage Vorbereitung und Konzentration auf das Wesentliche durch Verzicht. Und dann, wenn der Frühling bereits Einzug hält und die Natur zu neuem Leben erwacht ist, das Osterfest als Feier der Auferstehung und als Feier des Lebens, das machtvoller ist als der Tod. „Denn siehe, ich will ein Neues schaffen, jetzt wächst es auf, erkennt ihr's denn nicht?“ (Jesaja 43,19)
Pfarrer Emanuel Fritz, Angelbachtal
Pfarrer Emanuel Fritz, Angelbachtal


