Mach mal frei

 

Mach mal frei

Meditation von Karin Frasl, Pfarrerin in Kirchardt und Berwangen
Mach mal frei…, sagt Gott eines Tages. 
Tut mir leid, das geht nicht, antwortest du. Ich habe soviel zu tun. Ich muss arbeiten, dann noch der Haushalt, die Kinder, der Hund,…
Gott erbleicht: „Habe ich dich nicht befreit?“
„Wie – befreit?“, fragst du, wenn ich das alles nicht mache, tut es ja doch niemand.“
Gott lässt nicht locker: 
„Wer befiehlt dir überhaupt das alles zu tun? 
Da hat er dich irgendwie am wunden Punkt getroffen. Du beginnst zu stottern: „Äh, niemand, jedenfalls nicht so direkt. So ist das Leben halt!“ „Hör zu“, sagt Gott und baut sich majestätisch vor dir auf: 
„Ich bin der Gott, der Allerhöchste. Ich gebe dir frei. Nimm dir einen Liegestuhl. Iss ein Eis oder trink einen Eiskaffee. Guck in die Wolken. Tu was du willst! Von mir aus nicht immer, aber auf jeden Fall häufiger als jetzt.“ 
Das bringt dich ins Nachdenken. 
Und erinnert dich an eine wunderbare Geschichte in der Bibel. 
Jesus ist zu Besuch bei Maria und Martha. 
Und anstatt diesen besonderen Moment zu genießen, beschäftigt sich Martha lieber mit Herumwuseln, mit Putzen und Kochen. 
Ja, auch wichtig, klar, das ließe sich aber auch an einem anderen Tag machen. 
Maria dagegen spürt intuitiv, dass dies ein einzigartiger Moment ist. 
Sie setzt sich zu Jesus, spricht mit ihm, hat da oder dort ihre Einwände, hört zu, was er entgegnet, genießt das Gespräch über Gott und die Weltsicht Jesu, lernt daraus.
 Das Gespräch bringt sie weiter. Sie zieht daraus Kraft. 
Jesus lobt Maria und Martha lernt daraus. Sie setzt sich auch dazu. 
Leben bedeutet auch frei zu haben, Zeit zu haben:
Für sich, die Mitmenschen, für Gott. 
Leben bedeutet Pausen machen, nicht immer nur etwas tun MÜSSEN. 
„Muss“, denkst du plötzlich, ist ein Wichtigtuer. 
Wer 1.000 Dinge muss, scheint unentbehrlich zu sein. 
Muss ist ein Schutzschild. 
Wer alles erledigen muss, hat keine Zeit zum Nachdenken, zum Gespräch. 
Keine Zeit für sich. 
„Muss“ ist eine Entschuldigung für beinahe alles. 
Wer seinen Pflichten nachkommen muss, braucht nicht für seine Wünsche zu kämpfen. 
Dir fällt dir ein Spruch ein: 
„Tu, was du willst. Und wolle, was du tust!“
Die nächsten Tage bist du aufmerksamer. Du achtest darauf, was du willst. 
Und manchmal nimmst du frei. Manchmal. Nicht immer. 
Weil „Will“ halt doch nicht immer stimmt, „Muss“ aber oft Unsinn ist. 
Vielleicht helfen dir die Sommerferien, immer mal wieder nachzudenken, und eben auch immer mal wieder Pausen zu machen. Auch und gerade im Urlaub. 
 
Karin Frasl, Pfarrerin in Kirchardt und Berwangen