
Pfingstbotschaft
Pfingstbotschaft
Als ich ein Kind war und später als Jugendlicher die Gitarre gespielt habe, haben wir zu Hause im Kindergottesdienst immer gerne ein Lied gesungen: Alle Knospen springen auf.
Das Besondere an dem Lied war: Es wuchs mit jeder Strophe und man kam in Bewegung, ja sogar Berührung mit seinen Sitznachbarn im Kreis. Denn da sang man zunächst: „Alle Knospen springen auf, fangen an zu blühen. Alle Nächte werden hell, fangen an zu glühen. Knospen blü - - - hen, Nächte glü - - - hen, Knospen blü - - - hen, Nächte glü - - - hen.“ Dann in der zweiten Strophe: „Alle Menschen auf der Welt fangen an zu teilen. Alle Wunden auf der Welt fangen an zu heilen. Menschen tei - - - len, Wunden hei - - - len, Knospen blü - - - hen, Nächte glü - - - hen.“
Nachdem man in der ersten Strophe nur die zusammengelegten Hände wie eine Knospe langsam aufgehen und anschließend mit ihnen Sternenstaub vom Himmel regnen ließ, nahm man in der zweiten nun zusätzlich mit der einen Hand pantomimisch aus der anderen und teilte mit seinen Sitznachbarn zur Rechten und Linken.
In der dritten Strophe passiert noch mehr: „Alle Augen springen auf, fangen an zu sehen. Alle Lahmen stehen auf, fangen an zu gehen. Augen se - - - hen, Lahme ge - - - hen, Menschen tei - - - len, Wunden hei - - - len, Knospen blü - - - hen, Nächte glü - - - hen.“ Jetzt musste man darüber hinaus pantomimisch die Augen aufspringen lassen und mit den Beinen Gehbewegungen auf der Stelle machen.
In der vierten Strophe fangen schließlich auch noch Stumme „hier und da“ an zu grüßen und „alle Mauern, tot und hart, werden weich und fließen“. „Stumme grüßen, Mauern fließen Augen sehen, Lahme gehen, Menschen teilen, Wunden heilen, Knospen blühen, Nächte glühen.“
Meinem besten Freund und mir hat das damals als Kind viel Spaß gemacht, der sich noch dadurch steigern ließ, dass man die Reime in den Strophen verdrehte. Dann wurden Knospen zum Glühen und Nächte zum Blühen gebracht, Wunden geteilt und Menschen heilten, Lahme konnten sehen und Blinde gehen, Stumme konnten in Fluss kommen und Mauern grüßen… Und alles gehörte irgendwie zusammen.
War das eine Freude, die berührte und in Bewegung brachte; die größer machte, weil man ja sah, dass man nicht alleine war.
Wenn ich heute an dieses Erleben zurückdenke, steckt darin für mich viel Pfingstliches. Da ist zum einen der Sog, der mitzieht und Menschen zu einem Teil von etwas Größerem macht, zum anderen die Kraft, die die Stimmung aufhellt, zueinander führt und Menschen teilen und Wunden heilen lässt.
Es war nicht schwer als Kind beim Singen, Bewegen und Berühren zu spüren: Hier wird ein Hebel umgelegt und das kann was mit uns machen. Als Erwachsene fragen wir uns hingegen häufiger: Wo ist dieser Hebel heute? Was bringt Bewegung und Fühlung in mein Leben? Was lässt mich die Hände öffnen und teilen? Was bindet meine Freude an die Gemeinschaft? – Jesus sagt: Das kann der heilige Geist wirken. Deshalb feiern wir Pfingsten!
„Ich will euch nicht als Waisen zurücklassen“, verspricht Jesus seinen Jüngern. (Johannes 14,18) „Und als der Pfingsttag gekommen war, waren sie alle beieinander an einem Ort. Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Sturm und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen. Und es erschienen ihnen Zungen, zerteilt und wie von Feuer, und setzten sich auf einen jeden von ihnen, und sie wurden alle erfüllt von dem Heiligen Geist und fingen an zu predigen in andern Sprachen, wie der Geist ihnen zu reden eingab.“ (Apostelgeschichte 2,1-4)
Alle Knospen springen auf… Ich werde jetzt gleich einmal meine Gitarre holen und das Lied singen und mich dabei an die Bewegungen erinnern. Der Liedtext ist von Wilhelm Willms, die Melodie von Ludger Edelkötter. Sie finden dieses Lied in Ihrem Gesangbuch unter der Liednummer 633.
Frohe Pfingsten!
Pfr. Klemens Dittberner, Ev. Kirchengemeinde Mühlhausen-Tairnbach


