
Wenn man geprüft wird, dann wünscht man sich in der Regel auf der anderen Seite vom Tisch zu sitzen. Geprüft zu werden ist nicht angenehm, selbst wenn man gut vorbereitet ist. Allerdings: Selbst prüfen ist oft auch gar nicht so leicht. Wer prüft, übernimmt Verantwortung.
Prüft alles und behaltet das Gute, sagt Paulus. Er sagt es zur jungen Christengemeinde im heutigen Saloniki. Schon zu Paulus‘ Zeiten war es eine „bunte“ Hafenstadt. Multikulti. Und viele dieser Menschen aus den unterschiedlichsten Lebensumfeldern interessierten sich für den damals ja ganz neuen Christus-Glauben. Wie der aber genau aussah, das war ja selbst den „Insidern“ noch nicht so ganz klar. Viele Fragen hatten sie. Und Paulus erklärt geduldig in seinen Briefen. Auch die Frage nach dem Umgang mit dem Fremden:
Schaut euch die Sache erstmal an! sagt Paulus. Bemüht euch umeinander und habt Geduld miteinander.
Vergeltet nicht Böses mit Bösem, sondern tut Gutes. Freut euch! Betet! Dankt Gott für alles! Löscht die Flamme des Heiligen Geistes nicht aus und misstraut der prophetischen Rede nicht. Schaut euch alles erst einmal mit Wohlwollen an und dankt Gott für die Fülle. Und wenn ihr die Fülle erfahren habt, euch daran gefreut habt, Gott dafür gedankt habt – ja, dann ist es auch gut zu prüfen. Aber erst dann. Nicht gleich beim ersten Buzzword losmeckern, dass das so nicht stimmt, dass das nur die halbe Wahrheit ist, dass die ja sowieso schon immer lügen und betrügen….
Vor der Prüfung die Wertschätzung. Das will ich aus Paulus‘ Zeilen mitnehmen. Denn das ändert meinen Blick im Prüfverfahren. Ich suche nicht als erste das Haar in der Suppe. Natürlich: wenn da ein Haar in der Suppe ist, muss ich damit umgehen. Muss überlegen, ob die Suppe trotzdem noch okay ist – alles in allem. Und wenn sie wirklich versalzen ist, dann muss ich sie weggießen, auch wenn sie von einem lieben Koch gekocht wurde. Prüfen, ohne dann eine Entscheidung zu treffen, ist sinnlos. Behaltet das Gute, sagt Paulus. Das heißt auch: das andere tut weg. Belastet euch nicht mit Dingen, die nichts taugen. Aber eben erst nach gründlicher Prüfung und nicht aus Gewohnheit oder Faulheit.
Wir haben also gut zu tun im neuen Jahr . Gut, dass wir bei allem darauf vertrauen dürfen, dass Gott an unserer Seite steht!
Fröhliches Prüfen wünscht Ihnen Ihre Pfarrerin Annette Röhrs
Fröhliches Prüfen wünscht Ihnen Ihre Pfarrerin Annette Röhrs


