Ich glaube, hilf meinem Unglauben!
Alle Dinge sind möglich, wenn man nur glaubt, behauptet Jesus (Mk 9,24). Der Vater des schwerkranken Kindes würde so gerne glauben, dass Jesus sein Kind heilen kann. Aber ein Rest Zweifel bleibt.
Ich kenne das gut. Ich habe viele solcher Restzweifel, obwohl ich doch als Pfarrerin eigentlich gewiss sein sollte. Mein Glaube kann – auch – keine Berge versetzen. Manchmal immerhin kleine Hügel, aber ganze Berge leider nicht. Da bleiben zum Beispiel die Fragen nach den Gründen für Leid und Unrecht. So viel davon bestimmt unsere Welt. Da bleibt zum Beispiel meine eigene Unsicherheit, mein „kann ich das wirklich schaffen? Wird Gott mir wirklich beistehen“?
Ich habe noch eine Menge mehr Restzweifel.
Wenn ich in der Küche Reste übrig habe, dann überlege ich, wie ich sie weiter verwerten kann. Der Rest Spaghetti wandert in den Salat. Die übrig gebliebenen zwei Kartoffeln werden mit einem Ei zur leckeren Nachtmahlzeit. Mancher Essensrest, das gestehe ich auch, kommt in den Müll.
Was kann 2020 aus meinen Restzweifeln werden? Vielleicht werden sie meinen Glauben an der ein oder anderen Stelle bereichern, ihm die nötige Würze geben. Vielleicht kann ich den ein oder anderen Zweifelrest auch einfach in die Tonne werfen. Wäre nicht so schlecht. Ich bin gespannt, was Gott mit meinen Restzweifeln machen wird: Gott, ich glaube, hilf meinem Unglauben!
Pfarrerin Annette Röhrs



