Es ist Herbst, die Tage werden kürzer und kühler, aber dafür gibt es Äpfel und Zwetschgen, Trauben und Nüsse, neuer Wein und Zwiebelkuchen. Ich mag den Herbst, auch weil am Erntedankfest die Schöpfung nochmal besonders in unser Blickfeld rückt.
Die Bibel sagt, wir verwalten als Menschen nur treuhänderisch unsere Erde. Die Schöpfung zu bebauen und zu bewahren, das schließt die gerechte Verteilung der Ernte ein - und des Ertrags, den Menschen daraus erwirtschaften.
Als Kind in der Schule habe ich ein Gedicht gelernt, das Sie vielleicht kennen. Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland ein Birnbaum in seinem Garten stand ... Der Herr aus Fontanes Gedicht teilt die Ernte seines Birnbaums mit den Kindern des Dorfes: "Und kam in Pantinen ein Junge daher, so rief er: Junge, wiste ne Beer? Und kam ein Mädel, so rief er: Lütt Dirn, kumm man röwer, ick hebb ´ne Birn."
Indem Sie und ich teilen, wo es geht, danken wir Gott für alles, was unser Leben reich macht. Und von welcher Weitsicht zeugt von Ribbecks Fähigkeit, sogar die Zeit nach ihm im Blick zu behalten. Als er sein Ende nahen fühlt und ahnt, dass sein Erbe weniger großzügig sein würde, findet er einen Weg, wie er über den Tod hinaus Birnen verschenken kann. Sein letzter Wunsch ist bekanntermaßen, dass man ihm eine von seinen Birnen mit ins Grab geben solle:
„Und die Jahre gehen wohl auf und ab, längst wölbt sich ein Birnbaum über dem Grab, und in der goldenen Herbsteszeit, leuchtet's wieder weit und breit“.
Einen leuchtenden Herbst wünscht Ihnen Ihre Dekanin Christiane Glöckner-Lang



