Diese Verheißung steht im Buch des Propheten Jesaja. Kraftvolle Worte, ein Versprechen, das mir Schwung und Energie für das neue Jahr verleiht. Wer wünscht sich nicht oft die Flügel eines Adlers, wenn im alltäglichen Durcheinander der Überblick verloren zu gehen droht. Gehen und nicht müde werden, laufen und nicht zusammenbrechen – die beruflichen Herausforderungen, die Sorge für die Familie und ehrenamtliches Engagement, all dies verlangt uns einiges ab. Manchmal fühlt es sich an wie ein Marathon. Irgendwann gibt es dann einen Moment, wo wir keine Kraft mehr haben, wo es nicht weitergeht, wo wir einfach nur liegen bleiben wollen.
Wie gut ist es dann, eine Kraftquelle zu haben, aus der frische Energie für unseren Alltag kommt: ein Spaziergang im Wald, ein Essen mit Freunden, der Besuch eines Gottesdienstes oder eine stille Andacht. So bekommen wir immer wieder neue Kraft, werden stark wie der Adler. Beflügelt gehen wir zurück an unsere Aufgaben.
Noch etwas anderes ist es, was ich mit dem Adler verbinde: die Freiheit. Stellen Sie sich vor, wie der Adler über den Dingen zu schweben. Die Probleme und Sorgen des Alltags werden aus dieser Perspektive immer kleiner. Was vorher noch ein unüberwindbares Hindernis gewesen ist, erscheint jetzt plötzlich lächerlich einfach.
Immer wieder einmal diese Perspektive einzunehmen hilft uns, dem Hamsterrad zu entfliehen, darauf zu vertrauen, dass wir die nötige Kraft bekommen werden, die wir brauchen, um die vor uns liegenden Herausforderungen zu meistern.
Freiheit heißt auch, sich nicht abhängig zu machen von der Meinung und den Urteilen anderer Menschen. Wie viel Energie verschwenden wir daran, uns den Kopf darüber zu zerbrechen, was die anderen wohl über uns denken und welches Bild wir nach außen abgeben. Wie oft machen uns achtlos daher gesagte Bemerkungen anderer noch tagelang schwer zu schaffen, weil wir uns ungerecht beurteilt fühlen. Es ist vergebliche Mühe zu versuchen, es allen recht zu machen. Wichtig ist allein, sich selbst darüber klar zu werden, was mir wirklich wichtig ist im Leben. Als Christinnen und Christen glauben wir daran, dass Gott für jede und jeden von uns einen Plan hat. Er hat Talente und Begabungen in uns gelegt, die wir nach Kräften entfalten sollen. Nicht die Meinungen und Erwartungen der anderen sollten mein Handeln bestimmen, sondern allein der Plan, den Gott für mein Leben hat. Was Gott wohl im neuen Jahr mit uns vorhat? Lassen wir uns überraschen.
Pfarrer Emanuel Fritz, Dekanin-Stellvertreter



