Fasten? Keine Zeit? Fastenzeit!

Seit Aschermittwoch leben wir in einer besonderen Jahreszeit: der Fastenzeit. Allerdings eine andere, als uns viele Magazine und Illustrierte glauben machen wollen, denn jetzt boomen wieder die schlank aussehenden Schönheitsideale auf den Titelbildern begleitet von den magischen vier Buchstaben: DIÄT. Richtig, jetzt sollte man langsam die Bikini-Saison in den Blick nehmen und etwas gegen den Winterspeck tun...

Kirchliches Fasten will den Blick woanders hinwenden. Nach innen. In die Seele. Will Zeit schaffen zum Innehalten, zum Nachdenken – sogar zum Verändern. Verzichten nicht um überflüssige Pfunde zu verlieren, sondern um neue Blicke auf das eigene Leben zu erhaschen. Wie soll das funktionieren, indem ich sieben Wochen auf mir Liebgewordenes verzichte? Ist das nicht eher eine Art der Selbstkasteiung – keine Süßigkeiten mehr, kein Glas Wein am Abend, Tee statt Kaffee?

Einmal habe ich sieben Wochen auf das Fernsehen verzichtet. Was wirklich nicht leicht war. Aber schon nach wenigen Tagen habe ich gemerkt, dass ich keine Probleme mehr mit dem Einschlafen hatte und insgesamt viel besser schlafen konnte. Woran mochte das liegen? Dann kam ich dahinter: ich war zuvor gewohnt gewesen, abends vor dem Zubettgehen noch die Tagesthemen anzusehen. Nachdem meine Seele sich abends nicht mehr mit aufrüttelnden Bildern auseinandersetzen musste, konnte sie baumeln und in den Schlaf sinken.

Übrigens: Bis heute sehe ich keine Spätnachrichten mehr im Fernsehen – und bis heute habe ich keine Schlafprobleme...

Schuldekan Gunnar Kuderer

Zur Fastenaktion der evangelischen Kirche 2018
Zeig dich! Sieben Wochen ohne Kneifen