Eine Weihnachtsgeschichte

Mögen Sie Geschichten? Einer meiner liebsten Weihnachtsgeschichten erzählt von einem Engel, der aus dem Heer der himmlischen Heerscharen hervorstach – denn er sang falsch. Hatte er nicht richtig zugehört oder die Chorproben im Himmel geschwänzt? Vielleicht war er auch nicht so richtig bei der Sache, doch der Engel in der hintersten Reihe sang immer wieder falsch. Da wo er „Höhe“ „ singen sollen, da sang er „Tiefe“. Und so erschall es laut und deutlich: „Ehre sei Gott in der Tiefe“. Die Engel neben ihm stießen ihn an: „Höhe! Ehre sei Gott in der Höhe!“ Aber der Engel sang unbeirrt weiter „Ehre sei Gott in der Tiefe“ und zwar ziemlich laut.

Als der Gesang zu Ende war empörten sich alle anderen. Die göttliche Majestät sei in der Höhe, nicht in der Tiefe – Gott aber im Himmel lächelte.

Eins schöne Geschichte! Ehre sei Gott in der Tiefe! Und tatsächlich stellt Weihnachten alles auf den Kopf. Gott, nicht oben, sondern unten. Gott, nicht in seiner Majestät, prächtig und herrlich, sondern als kleines, hilfloses Kind, geboren in einem Stall.

Warum Gott diesen Weg gewählt hat, um zu uns auf die Erde zu kommen? Um uns zu zeigen: Gott ist bei den Schwachen und Hilflosen, bei den Kleinen und Schutzbedürftigen. Gott ist bei den Kranken und bei denen, die Sorgen haben. Gott bleibt nicht im Himmel. Gott kommt mitten hinein in unser Leben. Gott wohnt in der Tiefe bei seinen Menschen. Deshalb gilt: Ehre sei Gott in der Tiefe!

Ihnen allen ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest!

Dekanin Christiane Glöckner-Lang