Des einen Freud ist des anderen Leid...

Jetzt rollt er wieder, der Ball, diesmal in Russland: vier Wochen lang gibt es auf fast allen Kanälen an fast allen Tagen Fußball satt zu sehen. Die einen freuen sich auf spannende Spiele und das Ende der fußballlosen Zeit. Andere wie ein guter Freund von mir verdrehen die Augen: er kann Fußball nicht leiden und versteht nicht, dass nun wochenlang sich alle Gespräche darum drehen, dass niemand mit ihm ausgehen will, wenn das deutsche Team spielt und im Fernsehen außer Fußball fast keine gescheiten Sendungen mehr laufen. Und das vier Wochen lang!

Probleme scheinen da vorgezeichnet. Aber ist es nicht mit allem so? In der Zeitung las ich kürzlich, dass zwei frisch Verliebte nach einiger Zeit erst die Macken des jeweiligen Partners näher entdecken und sich manchmal sehr davon genervt fühlen. Nachbarn regen sich vielleicht schon seit Jahrzehnten über die gleichen Vorlieben der Mitbewohner auf: schon wieder sitzen die auf der Terrasse und haben die Feuerschale in Betrieb!

Da täte ein bisschen mehr Gelassenheit ganz gut. Etwa, wenn ich nicht nur daran denke, was mich an den anderen stört – sondern zuerst mal darüber grüble, wie und womit ich den anderen auf die Nerven gehen könnte. Ein kluger Mann hat einmal gesagt: „Genau so, wie ihr behandelt werden wollt, behandelt auch die anderen.“

Dieser kluge Mann war übrigens Jesus...

Schuldekan Gunnar Kuderer