Andersfroh freuen sich Narren und Jecken auf den Höhepunkt des Jahres und trotzen in ihren Kostümen Wind und Wetter, stehen oft schon stundenlang am Straßenrand und warten auf den Umzug. Freuen sich an den Spielmannszügen, bestaunen in den großen Städten die Motivwagen, an denen monatelang gewerkelt wurde, erkennen die überdimensionierten Figuren von Greta und von Donald (die sind sicher dabei, vermute ich), sammeln in großen Tüten Naschzeug, das von den Wagen geworfen wird – haben ihren Spaß. Ich habe meine Steuererklärung und freue mich am Ende des Tages auch – dass ich fertig geworden bin.
Fastnacht scheidet in Narren und in Muffel – und ich finde es gut so, dass es so ist. Denn es ist ein Zeichen unserer demokratischen Gesellschaft, in der jeder jeden leben lässt und, wie es der Preußenkönig einmal sagte, jeder nach seiner Facon selig werden kann.
Und mein großer Traum: Vielleicht erlebe ich es ja noch, dass nicht nur Narren und Muffel friedlich nebeneinander leben können, sondern ein jeder, egal, wo er herkommt, wie er aussieht, welche sexuelle Orientierung er hat, was er denkt und glaubt. Dann wären wir dem Himmel auf Erden ein großes Stückchen näher.
Schuldekan Gunnar Kuderer



