Danke für die Gaben

 
 
Meditation zur Jahreszeit
Danke für die Gaben, danke für die Mühen
Gunnar Kuderer
Schuldekan
Als Kind tat mir manchmal der Arm weh. Wenn ich meiner Mutter beim Einkochen von Marmelade half, musste ich (gefühlt stundenlang) mit einem hölzernen Kochlöffel im großen Topf rühren, in dem die werdende Marmelade blubberte. Sie durfte weder überkochen noch anbrennen. Also wechselte ich immer öfter den Rührarm, je müder die Muskeln wurden.
Auch sonst war die Erntezeit eine Schaffenszeit: wir machten Sauerkraut im großen Krug im Keller (als Kind durfte ich es noch mit den Füßen feststampfen); wir machten Gemüse und Obst ein (besonders aufwändig war es, die Kirschen zu entsteinen) und es gab jeden Tag frischgepressten Apfelsaft und Apfelmus. Wir konnten mit Händen greifen, was Gott uns in unserem großen Garten bescherte; und im trüben Winter von all den Gaben und unserer Hände Arbeit kosten und genießen.
Inzwischen mache ich es auch. Meine Kellerregale füllen sich zu Beginn des Herbstes mit selbst gemachtem Tomatenketchup, mit eingelegten Chili, mit getrockneten Tomaten, mit Cidre, mit… Nur Marmelade koch ich nicht ein, denn süß esse ich nicht mehr so gern.
Immer mehr Menschen handeln ebenso, lese ich in einem großen politischen Magazin.
Es wird wieder „in“, mit den Händen die geschenkten Gaben zu verarbeiten und dabei zu spüren oder sogar zu sagen: „Vergelt’s Gott.“ Danke für die Gaben, danke für die Mühen.