Als Kind wollte ich den Osterhasen fangen. Mein Opa hatte mir mit schelmischen Lächeln erklärt, wie man das anfängt. Also nahm ich der Oma heimlich den Pfefferstreuer aus dem Schuber, verteilte ihn abends auf jeden großen Stein im Garten (der Opa hatte behauptet, der Hase würde so heftig niesen, wenn er den Pfeffer röche, dass er sich den Kopf auf den Stein schlüge) – und konnte den nächsten Morgen kaum abwarten. Groß war die Enttäuschung, als ich früh morgens keinen ohnmächtigen Hasen auf dem Rasen liegen sah! Größer war der Ärger der Oma, die ihren Braten nicht pfeffern konnte...
Um Ostern rankt sich viel Brauchtum. Die Osterhasen, die Eier im Garten verstecken, die Osterbrunnen, prächtig geschmückt, die man wieder häufiger sieht, Deko über Deko in den Geschäften und den Häusern... Verstecken sie die eigentliche Osterbotschaft?
Ich denke nicht. Ich denke eher, dass die vielen Osterbräuche eine Art Katalysator sind: sie öffnen für das, was dahinter steckt, lassen einen vielleicht geneigter sein, darüber nachzudenken, was Ostern wirklich ist. Und wer dann noch in die Elsenzhalle geht und den Ostergarten mit allen Sinnen erlebt, der versteht ein bisschen von dem größten aller Geheimnisse dieser Welt: Gott hat dem Tod den Schrecken genommen! Frohe Ostern!
Schuldekan Gunnar Kuderer



