In der Zeitung lese ich, wie viele Städte und Gemeinden mit besonderen Aktionen versuchen, die besinnliche Adventszeit zu retten; denn es wird beklagt, dass in dieser schwierigen Zeit der Pandemie-Bekämpfung alles fehlt, was eine besinnliche Adventszeit ausmacht: die Weihnachtsmärkte mit ihren Glühweinständen, die fröhlichen Menschenmassen, die in die Geschäfte strömen, um ihre Weihnachtseinkäufe zu erledigen, Weihnachtsmusik an allen Ecken und Enden...
Das soll Besinnung sein?
Vielleicht sollten wir diese nie dagewesene Adventszeit nutzen, uns wirklich zu besinnen! Also stehe ich sinnend vor meiner Weihnachtskrippe, die ich am Vorabend des ersten Advents aufgebaut habe. Prallvoll ist sie mit Figuren, jedes Jahr kaufe ich mir eine dazu. Doch ein Blick in die Bibel verrät mir, dass im Stall von Bethlehem kein Rummel herrschte. Die Engel – waren ja auf dem freien Feld, um den Hirten die Botschaft der Geburt zu verkünden. Die Schafe – die sind sicher auf der Weide geblieben. Die Hirten – die haben wohl kaum ihre Herde schutzlos zurückgelassen, sondern haben allenfalls eine Abordnung geschickt. Die drei Könige – die waren noch unterwegs. Ochs und Esel – kamen erst in der mittelalterlichen Tradition hinzu. Bleiben Maria und Josef, ihr Kind, vielleicht zwei oder drei Hirten. Auch nicht viel mehr als die fünf Personen aus zwei Haushalten, die sich momentan treffen dürfen...
Besinnung heißt, auf die eigentliche Botschaft sehen. Und da steht in meinen Augen nicht die Geburt des Jesuskindes im Zentrum, sondern das, was der erwachsene Jesus den Menschen verkündete: Liebe Gott und liebe deinen Nächsten wie dich selbst! Ist das nicht ein großes Zeichen von Nächstenliebe, wenn wir in diesen Tagen unsere Kontakte auf ein Minimum reduzieren, um all die Menschen zu schützen, die auch 2021 wieder eine besinnliche Adventszeit erleben wollen? In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen eine besinnliche Adventszeit!
Schuldekan Gunnar Kuderer



