Apfelbaum
In meinem Garten steht ein sehr alter Apfelbaum. Vergangenes Jahr trug er so viele Früchte, dass ich mir etwas einfallen lassen musste, um die Äpfel nicht verderben zu lassen. Ich erntete acht Kilo, machte daraus Saft und ließ diesen mit Hefe zu Apfelwein vergären. Mit großem Stolz schenkte ich Gästen davon ein. Dieses Jahr trägt der Baum so wenige Früchte, dass ich sie hängen oder fallen lasse und mich daran erfreue, dass wenigstens Insekten und Vögel daran ihre Freude haben.
Natürlich schwankt die Ernte jedes Jahr, zumal ich nichts dazu tue, weder Dünger noch Spritzmittel. Trotzdem hatte ich dieses Jahr den Eindruck, dass der Baum unter der Hitze und Trockenheit genauso litt wie ich. Und so ging es ihm wohl wie vielen meiner Pflanzen im Garten, die ohne mein gelegentliches Gießen wohl verdorrt wären. Ich kann mir nicht helfen: ich muss immer wieder an den Klimawandel und seine Folgen denken. Ich ertappe mich bei dem Gedanken, ob ich nicht einfach neue Bäume und neue Blumen pflanzen sollte, die besser auf das sich verändernde Klima angepasst sind. Ich habe sogar schon aus einer Zeitschrift ein Blatt herausgerissen, auf dem solche Pflanzen vorgestellt und empfohlen werden.
In meine Furcht, dass wir unsere Welt nicht mehr retten können, mischen sich zwei Hoffnungsschimmer. Ein kleiner: dass die Politiker in diesem Land und weltweit mutiger und entschlossener an die Aufgabe gehen, die Erderwärmung stoppen zu wollen. Und ein großer: weil ich in der Bibel Gottes Versprechen lese, dass er vor grauer Vorzeit unserem Vorfahren Noah gab. „Von jetzt an gilt, solange die Erde besteht: Nie werden aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht.“ (Genesis 8,22)
Schuldekan Gunnar Kuderer



