Alles auf Anfang. Noch einmal beginnen und dann wird alles besser. Wünschen Sie sich das auch manchmal? Ich habe schon etliche Menschen erlebt, die sich das gewünscht haben: Nach einer gescheiterten Beziehung, nach einer beruflichen oder privaten Fehlentscheidung, nach einem schrecklichen Streit. Alles auf Anfang.
In diesen Tagen stehen wir alle am Anfang. Neustart nach dem shutdown, langsamer Wiedereinstieg. Anders als vorher, aber zumindest in einigen Bereichen wieder zaghafte Erfahrungen von Alltag.
Dennoch spüren wir: Es wird lange dauern, sehr lange, bis wir wieder so etwas wie „Normalität“ erreicht haben. Neulich hat mich jemand gefragt: Werden wir uns jemals wieder die Hand geben dürfen zur Begrüßung? Ja, ich hoffe es! Werden wir irgendwann wieder einkaufen gehen ohne Masken? Ja, ich hoffe es! Wird es bald wieder möglich sein, die Angehörigen im Krankhaus oder im Seniorenheim zu besuchen? Ja, ich hoffe es! In vielen Bereichen leben wir momentan „auf Hoffnung“ hin. Am kommenden Sonntag feiern viele Gemeinden erstmals wieder Gottesdienst in ihren Kirchen. Alles auf Anfang! Doch auch dieser Anfang steht unter einer Menge Auflagen. Singen dürfen wir nicht - oder wenn, dann nur leise. Feste feiern sollen wir nicht. Abstandhalten ist angesagt, Kirchenkaffe noch in weiter Ferne. Doch auch hier gilt: Wir leben auf Hoffnung hin! Und wir freuen uns über diesen zaghaften Anfang.
Vielleicht sind Ihnen in den letzten Wochen die vielen gemalten Regenbögen an den Fenstern der Häuser aufgefallen. Der Regenbogen ist das biblische Zeichen schlechthin für Neustart und Neubeginn. Alles auf Anfang! Gott hat seinen Bogen in die Wolken gesetzt, so erzählt es die Bibel, damit die Menschen Hoffnung haben. Nach der großen Sintflut spricht der Herr: „Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht....Dieser Bogen ist das Zeichen des Bundes, den ich geschlossen habe zwischen mir und euch!“
So kann ich leben, in all den Gefahren und in all den Unsicherheiten.
So kann ich mich zaghaft heran tasten an den neuen Alltag. Geduld brauche ich, immer wieder. Und Zuversicht, dass es weitergeht. Mit Gott im Bunde!
Dekanin Christiane Glöckner-Lang, ev. Kirchenbezirk Kraichgau



