Eine wahre Begebenheit, neulich in Sinsheim geschehen. Ein jugendlicher Flüchtling aus Afghanistan lebt seit einiger Zeit bei einer deutschen Familie, bis er 18 wird und eine eigene Wohnung beziehen darf. Er ist seit zweieinhalb Jahren in Deutschland. Das Haus seiner Gasteltern ist adventlich reich geschmückt. Er fragt eines Abends, ob er die Kerzen anzünden darf, auch die am Adventskranz. Die Gastmutter sagt: „Du weißt aber, dass dies ein christlicher Brauch ist? Und du bist Muslim!“ Er antwortet: „Wie sollen wir hier in eurem Land unsere Feste feiern dürfen, wenn ihr eure Feste versteckt?“
Was für eine Weisheit in den Worten dieses jungen Menschen liegt! Viel zu oft verstehen wir Deutschen die Toleranz falsch: denken, wir müssen so sehr auf andere Menschen Rücksicht nehmen, dass wir uns ganz zurück nehmen. Dass wir „Frohes Fest!“ wünschen statt „Frohe Weihnachten!“
Toleranz lebt vom Dialog! Ich lebe meine Tradition und lasse dir deine Tradition – und dann kommen wir ins Gespräch.
In diesem Sinne eine frohe und begegnungsreiche Adventszeit!
Gunnar Kuderer, Schuldekan



