Landtagspräsident Thomas Strobl würdigt die Kirche als Stabilitätsanker
Neue Landessynode der badischen Landeskirche startet in die Arbeitsphase
Bad Herrenalb/Karlsruhe, (19.10.2026). Die 14. Landessynode der Evangelischen Landeskirche in Baden startete am Montag, 19. Oktober, mit der ersten öffentlichen Plenarsitzung in die Arbeitsphase ihrer konstituierenden Tagung in Bad Herrenalb. Nachdem sich die vier ständigen Ausschüsse konstituiert hatten, stellten sich am späten Nachmittag die Kandidierenden für die Wahl des Präsidiums und des Ältestenrats am Dienstag vor. So wird sich der bisherige Präsident Axel Wermke am Dienstag um eine dritte Amtszeit bewerben. Als Gegenkandidat tritt Sascha Alpers an.
Nach der Präsentation der Kandidierenden durften sich die Landessynodalen am Montagabend über den Besuch des baden-württembergischen Landtagspräsidenten Thomas Strobl freuen. „Ich bin gekommen, um Ihnen zu gratulieren und mich bei Ihnen dafür zu bedanken, dass sie sich für ein öffentliches, kirchliches Amt zur Verfügung stellen. Das ist keine Selbstverständlichkeit“, sagte der CDU-Politiker bei seinem Grußwort.
„Zum Zweiten will ich Ihnen für ihre Arbeit danken, weil ich der festen Überzeugung bin, dass Kirche wichtig ist – gerade in dieser Zeit.“ Krisen habe es immer gegeben, aber nicht so viele gleichzeitig. „Wir haben wieder Krieg in Europa. Dieser Krieg ist nicht nur ein territorialer Krieg, sondern er ist auch ein Krieg gegen unsere Demokratie, und er findet hybrid statt.“ Die Cyber-Angriffe, Sabotagen und Desinformationskampagnen erfolgten „mit dem einzigen Ziel, unsere Demokratie zu destabilisieren“. Auch auf die Gefahren, die von Tiktok und von US-amerikanischen sozialen Medien ausgehen, rückte Strobl in seinem Grußwort in den Blick.
„Das ist die Lage, in der wir uns befinden, und so ganz sicher, ob diese Demokratie das alles überlebt, kann man jedenfalls nicht sein“, gab der CDU-Politiker zu bedenken. Umso wichtiger sei, dass es neben dem Staat Kräfte gebe, die die Gesellschaft stützen. „Das ist und bleibt für mich neben Kunst und Kultur immer auch die Kirche – mit ihren Wertvorstellungen, mit der Hoffnung, die sie den Menschen gibt, mit der gesellschaftlichen Stabilität.“
Der Landtagspräsident betonte die gute Partnerschaft: „Ich bin sehr dankbar, dass wir mit den vier Kirchen einen wirklichen Stabilitätsanker haben in Baden-Württemberg.“ Dabei sei die Landeskirche nicht nur Partnerin der Politik, sondern mit rund einer Million Mitgliedern in Baden auch ein eigenständiger gesellschaftlicher Akteur. „Sie sind auch ein großer, bedeutender Arbeitgeber mit Diakonie, Kindertagesstätten und vieles mehr – mit zigtausenden Beschäftigten. Damit tragen sie zu Stabilität und zum Zusammenhalt in dieser Gesellschaft maßgeblich bei.“
Weitere Grußworte sprachen unter anderem der Freiburger Weihbischof Peter Birkhofer und Rami Suleiman, der Vorsitzende der Israelitischen Religionsgemeinschaft Baden. Während Birkhofer dazu aufrief, gemeinsame Visionen über Konfessionsgrenzen hinweg deutlich zu machen, blickte Suleiman auf die aktuelle Situation in Baden.
Früher habe er direkt gesagt, dass er jüdischen Glaubens sei. Heute denke er zweimal darüber nach, bevor er es sage. Der Hass sei nach dem 7. Oktober richtig gestiegen und nach den Wahlen in Sachsen-Anhalt und Berlin noch schlimmer geworden. „Aber ich bin mir sicher, dass die gläubigen Menschen an unserer Seite stehen.“ Der Vorsitzende der Israelitischen Religionsgemeinschaft Baden rief die Landessynodalen dazu auf, den Kontakt zu den jüdischen Gemeinden vor Ort zu suchen. „Macht was zusammen, zeigt euch zusammen. Das bringt Sicherheit für die jüdischen Gemeinden.“
Zum Auftakt des ersten Plenartags hatte Ralph Hartmann, der Beauftrage der Evangelischen Landeskirchen in Baden und Württemberg bei Landtag und Landesregierung, am Vormittag auf seine Arbeit in Stuttgart und die Situation in einer verunsicherten, zum Teil gespaltenen Gesellschaft geblickt.
„Wir machen als Kirche keine Politik, aber wir sind ein politischer Faktor“, machte Hartmann in seinem Beitrag unter dem Titel „Unsere Kirche im politischen Raum“ deutlich. „Wir wirken in die Gesellschaft. Hier haben wir viel zu tun und können wohl auch noch mehr tun.“
Gerade auch im ländlichen Raum, wo ansonsten flächendeckend nur Sportvereine und die Feuerwehr vor Ort seien, habe die Kirche Gelegenheit zu wirken. Was es dabei nicht brauche, seien Polarisierung und Belehrung. Vielmehr brauche es das „Für“ statt „Gegen“, das Zuhören, eine Zukunftserzählung sowie eine klare Haltung und die Perspektive der Versöhnung.
Um Menschen zu erreichen, seien aus seiner Sicht zwei Dinge zentral: die Kirche im Quartier, bei der Gemeinde und Diakonisches Werk zusammen nach außen in das Gemeinwesen wirken, und „wir brauchen mehr Social Media“.
Die Herbsttagung wird am Dienstag, 20. Oktober, ab 9.15 Uhr mit der zweiten öffentlichen Plenarsitzung fortgesetzt, in der am Vormittag das neue Präsidium gewählt wird. Zudem erwartet die Landessynodalen ein Bericht zum Gesangbuchprozess der EKD und ein Bericht zur Charta Oecumenica.
Weitere Informationen zur Herbsttagung der Landessynode und der vorläufige Zeitplan gibt es im Internet unter: www.ekiba.de/landessynode/herbsttagung2026




