Mut, über den Tellerrand hinauszuschauen

Kirchenbezirk Neckar-Kraichgau steht in den Startlöchern – Herbstsynode in Neckargemünd am 17. Oktober

  
Erstmals gemeinsam: die vereinte Kontorei der beiden Bezirke
der Posaunenchor Neckargemünd
 v.l.n.r.: Schuldekanin Dr. Silke Dangel, Landesbischöfin Prof. Dr. Heike Springhart, Dekanin Christiane Glöckner-Lang
Die Wiederberufung der Prädikantinnen und Prädikanten, v.l.n.r.: Hans Weißflog, Ilse Keller, Pfarrerin Esther Richter,
Michael Kluge, Pfarrer Dr. Heinz Janssen, Susanne Lindacker, Pfarrerin Ulrike Walter
Die neue Bezirksjugendreferentin Ann-Christin Hohaus

Sinsheim/Neckargemünd Von Rainer Ohlheiser

Gottesdienst mit vereinter Kantorei
Schauplatz der Herbstsynode der beiden noch getrennten Kirchenbezirke Neckargemünd-Eberbach und Kraichgau war das Ökumenische Gemeindezentrum „Arche" in Neckargemünd. Die Veranstaltung begann mit einem Gottesdienst. Die vereinte Kantorei der beiden Bezirke unter den Leitungen von Andreas Fauß und Salome Hölzle trat hier zum ersten Mal gemeinsam auf. Auch der Posauenchor Neckargemünd gestaltete den Gottesdienst musikalisch mit.

Einführung von Dekanin und Schuldekanin
Landesbischöfin Prof. Dr. Heike Springhart nahm die Einführung von Dekanin Christiane Glöckner-Lang und Schuldekanin Dr. Silke Dangel mit Wirkung vom 01. Oktober 2025 vor. Die Schuldekanin wird allerdings ihr Amt, das sie in den beiden Bezirken bereits seit September 2023 innehatte, nur noch eine kurze Zeit ausüben. Im Frühjahr 2026 wird sie als Leiterin des Bildungsreferats der Landeskirche in Karlsruhe, nachdem die Wahl des Landeskirchenrats auf sie gefallen ist, ihren Dienst beginnen. „Es ist ungewöhnlich, dass sowohl die Dekanin als auch die Schuldekanin an einem Termin eingeführt werden" meinte die Landesbischöfin. „Wir gehören alle zusammen, weil wir zu Jesus Christus gehören. Er ist das Band, das uns alle zusammenhält. Die Vielfalt wird nicht trennen, sondern einen" erklärte Springhart.

Predigt: Von Jakob lernen
Dekanin und Schuldekanin wurden von Isolde Priebus und Christiane Orthen aus dem Bezirkskirchenrat eingesegnet. Die beiden hielten im Anschluss auch die Predigt. Sie hatten die Geschichte von Jakob mitgebracht, der einen Neuanfang wagt, von Gott gesegnet wird und sich mit seinem Bruder Esau versöhnt. Dies übertrugen sie auf das neue Dekanat Neckar-Kraichgau. Man stehe nach unzähligen Sitzungsabenden am Übergang. Es sei ein zähes Ringen gewesen, wobei der Ausgang zu Beginn völlig offen gewesen sei. Wichtig sei es, auch Gegenstimmen zu hören, wobei es zu dem eingeschlagenen Weg keine Alternativen gegeben habe. Jakobs Kampf endete mit einer neuen Identität – er erhielt den Namen Israel. Durch die Fusion werde sich auch der Bezirk verändern. „Wir müssen lernen, einander zuzuhören und miteinander an Gott zu glauben. Gottes Segen wird sich in der Zusammenarbeit zeigen und aus Fremden werden Freunde" meinte die Dekanin zuversichtlich.

Wiederberufung von Prädikantinnen und Prädikanten
Im Gottesdienst wurden auch noch Prädikantinnen und Prädikanten wiederberufen. Dies nahmen Pfarrerin Ulrike Walter, Pfarrer Heinz Janssen und Pfarrerin und Prädikantenbeauftragte Esther Richter vor. Zum ersten Mal wiederberufen wurden Ilse Keller und Susanne Lindacker. Bereits seit 35 Jahren im Dienst ist Michael Kluge. Außerdem wurde Hans Weißflog wiederberufen, der zuvor bereits in der Schweiz und in Württemberg in dieser Funktion im Einsatz war.

Bericht der Dekanin: Umzüge und Strategieprozess
Nach einem Sektempfang mit Imbiss ging es dann mit dem förmlichen Teil weiter. Dekanin Christiane Glöckner-Lang erwähnte in ihrem Bericht, dass der Sommer 2025 von Umzügen geprägt gewesen sei. Während der Umzug des Dekanatsbüros von Eberbach nach Sinsheim geplant gewesen sei, kam der Umzug des Büros innerhalb von Sinsheim von der Pfarrstraße in die Werderstraße wegen Schimmelschadens überraschend. Aus demselben Grund habe auch die Familie umziehen müssen.
Über den Strategieprozess erklärte sie im Anschluss, dass dieser schon ziemlich weit fortgeschritten sei. „Wir sind sozusagen auf der Zielgeraden. Letzte Woche haben wir im Bezirk die Pfarrhäuser auf den Prüfstand gestellt – denn das ist die letzte Gebäudeampel, die noch aussteht. Es ging darum: Wo werden 2036 und darüber hinaus noch Häuser gebraucht und natürlich: in welchem baulichen Zustand sind die Häuser und wer hat die Baupflicht?" erläuterte Glöckner-Lang. Daneben würden noch die zukünftigen Rechtsformen in den Kooperationsräumen (Fusion oder Verband) beschäftigen. Die Umsetzung werde vermutlich innerhalb der nächsten sechs Jahre, also der nächsten Amtszeit der Kirchenältesten, erfolgen.

Fusionsprozess auf der Zielgeraden
Auch beim Fusionsprozess der beiden Bezirke sei man auf der Zielgeraden. „Für unseren großen Bezirk mit 62 Gemeinden ist es wichtig, die Gremien gut und handlungsfähig aufzustellen, so dass sie eben nicht zu groß sind" meinte die Dekanin. Sie ging auch kurz auf die Kirchengemeinderatswahlen am 1. Advent ein und erwähnte, dass es in vier Kirchengemeinden Wahlverschiebungen geben werde, da keine oder zu wenige Kandidaten gefunden wurden. Sie wies am Ende ihrer Ausführungen noch auf die Veranstaltung „Einfach heiraten" hin. Am 20. Juni 2026 soll am Technikmuseum in Sinsheim ein Trauevent stattfinden. Angesprochen werden Menschen, die nicht die große Hochzeit lange planen und spontan in kleinem Rahmen heiraten möchten.

Impuls der Landesbischöfin: Mut zu neuen Wegen
Die Landesbischöfin Dr. Heike Springhart hatte noch einen kleinen Impuls mitgebracht zu dem Thema „Wie soll Kirche in Zukunft sein?" Die Zukunft sei weiterhin das Reich Gottes. Man stünde an einer Schwelle, wo es mehr Mut erfordere, leichtfüßig Dinge auszuprobieren und nicht an eingespielten, ziemlich starren bürokratischen Abläufen festzuhalten. Es müsse Raum für neue Ideen gegeben werden, die auch mal etwas verrückt sein könnten. „Wir müssen den Blick über den eigenen Vorgarten hinausrichten und über den Tellerrand hinausschauen" meinte die Landesbischöfin. Die Synodalen hätten einen langen Atem bewiesen und viel Herzblut in die Entscheidungen gesteckt. Für die abgelaufenen sechs Jahre erhielten alle Synodalinnen und Synodale als kleines Geschenk einen Kochlöffel überreicht.

Formale Vereinigung zum 1. Januar 2027
Nicole Gutknecht vom Oberkirchenrat gab dann noch einige Informationen zu dem Wechsel bei den Bezirken. Dabei gab sie bekannt, dass die formale Vereinigung erst zum 01.01.2027 kommen werde, wobei der Kirchenbezirk Neckar-Kraichgau ab 01.01.2026 bereits nach außen unter diesem Namen auftreten werde. Gemeinsame Bezirkssynoden, Bezirkskirchenräte und Synodale sowie einen gemeinsamen Haushalt werde es dann geben. Die Kirchenrätin ging kurz auf die Zusammensetzung der neuen Bezirkssynode ein, wobei hier einiges „abgespeckt" wird. Die Synode wird sich 2026 voraussichtlich „halbieren".

Bezirksjugendarbeit: Konficamps und SchoKo-aktiv
Die neue Bezirksjugendreferentin Ann-Christin Hohaus berichtete noch aus ihrer Arbeit. Dabei erwähnte sie die vier Konfirmandencamps im Forsthaus Michelbuch unter dem Thema „Glauben erleben, Gemeinschaft gestalten". Sie präsentierte die Aktion „SchoKo-aktiv". Dies ist ein bunter Mix aus Spiel und Spaß, Glauben auf jugendliche Art und Einsteigerschulung als Mitarbeiter/in. Übers Jahr verteilt gibt es fünf dieser Wochenenden, die unabhängig voneinander und jedes Mal neugestaltet sind. Meistens sind die Jugendlichen im ersten Jahr als Konfirmanden dabei, erleben für sich ein tolles Wochenende und lernen andere Jugendliche kennen. Im zweiten Jahr sind sie dann die "SchoKos", die weiterhin mit dabei sind und gleichzeitig langsam mehr und mehr Aufgaben eines Betreuers übernehmen. So wachsen im Laufe der Zeit aus Konfis MitarbeiterInnen heran, die auch in ihren Gemeinden zuverlässig und verantwortungsbewusst mitarbeiten. Mittlerweile ist SchoKo-aktiv seit über zehn Jahren fester Bestandteil im Kraichgau. Am 15. November startet das nächste SchoKo-Wochenende.
Pfarrerin Stefanie Ultes sprach zum Ende der Bezirkssynode ein Gebet und erteilte den Teilnehmerinnen und Teilnehmern den Segen.